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Wanderratgeber | Teil XI Wandertipps für Pilger

Wanderratgeber | Teil XI Wandertipps für Pilger

Wandern ist das eine, Pilgern etwas ganz Anderes. Beides ist natürlich trotzdem verwandt. Immer mehr Menschen zieht es auf die Pilgerpfade dieser Welt. Längst nicht mehr aus religiösen oder spirituellen Gründen. Die einen sind auf der Suche nach sich selbst oder dem Sinn des Lebens. Die anderen suchen die Herausforderung. Warum auch immer man pilgert – eine solche Wanderschaft sollte gut vorbereitet werden. Dieser Artikel liefert wertvolle Tipps, die auch für Langstreckenwanderer und Backpacker relevant sind.

Schuld ist Hape Kerkeling. Mit seinem Besteller "Ich bin dann mal weg" hat er im deutschsprachigen Raum einen bis heute anhaltenden Pilgerboom ausgelöst. Und weil nicht nur die Deutschen das Pilgern für sich entdeckt haben, ist der Camino Francés so voll wie noch nie zuvor. Der Camino Francés führt nach Santiago de Compostela und ist der Weg, den die meisten meinen, wenn sie vom Jakobsweg sprechen. Dabei zieht sich der Jakobsweg durch ganz Europa und verläuft häufig sogar vor der eigenen Haustür. Auch diese Abschnitte werden immer beliebter. Hinzu kommt der anhaltende Trend zum Wandern und zu Outdoor-Aktivitäten. Immer mehr Menschen suchen sich Langstreckenwege aus und verbringen ihren ganzen Urlaub mit dem Wandern. Oder man stellt den Rucksack als Backpacker in den Mittelpunkt seiner internationalen Reisen.


Nicht nur religiöse Menschen pilgern

Wer pilgert, der läuft meist mehrere Tage am Stück um ein bestimmtes Ziel, in der Regel einen Pilgerort, zu erreichen. Aber beim Pilgern kommt es wie beim Wandern heute weniger auf das Ziel an, als vielmehr auf den Weg, der für viele das Ziel ist. Unterwegs hat man Zeit und Muße über Dinge nachzudenken, für die im stressigen Alltag kein Platz ist. Oder umgekehrt: Um einfach mal den Kopf frei zubekommen von all dem Ballast, den wir sonst so zu verarbeiten haben.

Beim Pilgern bestimmt jeder sein eigenes Tempo, weshalb Pilger oft allein unterwegs sind. Beim Wandern kann man sich dem Partner oder der Gruppe für ein paar Stunden anpassen, aber Pilgern über Tage oder Wochen, muss jeder in seinem eigenen Tempo. Das gilt auch für Trecking-Urlaube. Manchmal hat man Glück und findet unterwegs jemanden, mit dem man ein paar Kilometer gemeinsam absolviert. Aber auch wenn grundsätzlich jeder selbst entscheidet, wie viel er am Tag geht, sind typische Abschnitte nicht selten zwischen 20 und 30 Kilometer lang.

Wer solche Etappen mehrere Tage am Stück absolviert, der muss sich sicher sein, die körperliche Konstitution fürs Pilgern mitzubringen. Ungeübte Wanderer sollten deshalb vorher trainieren. Je früher man damit anfängt, desto besser. 20 Kilometer sind nicht gerade wenig und für viele nur schwer vorstellbar. Wie lange es tatsächlich dauert solche Strecken zu wandern, hängt auch vom Terrain ab.


Gepäck auf ein Minimum reduzieren

Ebenfalls unterschätzt wird häufig der Rucksack. Der fällt verständlicherweise größer und schwerer aus als bei einer Tageswanderung. Alles, was man über Wochen mitnehmen will, muss im Wanderrucksack untergebracht werden. Dazu gehört in der Regel auch dann ein Schlafsack, wenn man in Pilgerherbergen schläft. Denn die haben nur selten Bettwäsche. Wer zelten will, braucht noch mehr Platz. Backpacker haben in der Regel die gleichen Probleme wie Pilger. Nur sind sie meist noch unvorbereiteter. Sie gehen zwar selten 20, 30 Kilometer am Tag, reisen aber auch ausschließlich mit dem schweren Rucksack. Auch Backpacker sollten sich an das Tragen des Rucksacks vorher gewöhnen.

So schwer der Verzicht auch fallen mag: Beim Pilgern, Langstreckenwandern und Backpacking kommt es auf jedes Gramm Gewicht an. Denn jedes Gramm weniger, macht jeden Schritt leichter. Wer schon öfter gepilgert ist, treibt es meist auf die Spitze und reduzieren so viel wie möglich. Aber auch Anfänger lernen schnell, dass eine Unterhose völlig ausreicht. Auch mehr als zwei Shirts nimmt kaum jemand mit. Denn Wäschewaschen gehört in der Unterkunft zum allabendlichen Ritual. Bis zum nächsten Morgen ist alles getrocknet und kann wieder angezogen werden. Auf Falten schaut hier sowieso niemand.

Natur Wald Wandern

Pilgerherbergen gehören einfach dazu und sind günstig

Die Unterkunft ist für Pilger natürlich ohnehin ein wichtiges Thema. Wer einen beliebten Pilgerweg wie den Camino Francés bestreitet, der wird auf eine sehr gute Infrastruktur stoßen. Es gibt die klassischen Pilgerherbergen, oft in Klöstern, die wenig kosten, in der Hauptsaison aber auch schnell voll sind. Wer kein Stockbett im Schlafsaal mit wildfremden Menschen will, der findet auch Hotels und Pensionen, die mehr Komfort bieten aber auch teurer sind.

Pilgerherbergen lassen sich nicht reservieren. Hotels und Pensionen schon. Wer Angst hat am Abend ohne bleibe dazustehen, kann das tun. In der Hauptsaison macht das auf einigen Pilgerwegen auch Sinn. Vor allem wenn man nicht der Typ ist, der um fünf Uhr morgens losmarschiert.

Auf dem Jakobsweg tuen das aber nicht wenige. Zum einen, weil sie als erste das nächste Etappenziel erreichen wolle, um ein Bett zu bekommen, zum anderen aber auch wegen dem Wetter. Wer im Sommer wandert, setzte sich in Spanien und anderen Teilen Südeuropas enormer Hitze aus. So viel Wasser, wie am Tag benötigt wird, kann man gar nicht mitschleppen. Zur Infrastruktur gehören deshalb auch Brunnen und natürlich Gastronomiebetriebe.


Planung der Pilgerroute ist das A und O

Für die Planung der Pilgerroute sollte man sich nach Möglichkeit einen Pilgerführer und gutes Kartenmaterial besorgen. Man kann nicht alles vorausplanen, aber die Führer geben wertvolle Tipps und einen Überblick über die Pilgerroute. Ruhetage sind wichtig und wertvoll. Ein bis zwei pro Woche sollte man sich gönnen. Diese Tage kann man für Besichtigungen, zum Waschen und für Entspannung nutzen. Regeneration ist ein entscheidender Faktor für gesundes Wandern und Pilgern.

Auch was die Ausrüstung angeht müssen Pilger sich besser vorbereiten. Zwar muss einerseits auf möglichst leichtes Gepäck geachtet werden, ein paar Dinge sind dann aber doch unverzichtbar. Blasenpflaster zum Beispiel. Wer seine Füße über einen längeren Zeitraum so sehr beansprucht, der muss sie gut pflegen. Hirschhorntalg ist dafür der absolute Tipp. Die Füße werden damit morgens und abends großzügig eingeschmiert, wobei keine Stelle ausgelassen wird. Vor allem die Zwischenräume zwischen den Zehen werden gern vergessen. Der Talg legt sich wie ein Schutzfilm über die Füße und minimiert die Reibung, was letztlich auch Blasen vorbeugt. Idealerweise beginnt man die Füße damit schon einige Tage vor Start der Pilgerreise vorzubereiten.

Spezielle Wandersocken, die ebenfalls abends gewaschen werden, sind genauso notwendig wie richtig gute Wanderschuhe die ordentlich eingelaufen wurden. In den Rucksack gehören Ersatzschnürsenkel. Nichts ist schlimmer, als wenn die Schnürsenkel plötzlich reißen und man irgendwo im nirgendwo mit offenen Schuhen rumsteht. Wanderstöcke können gerade bei so langen Touren besonders entlastend sein. Richtig eingesetzt schonen sie die Gelenke. Leichte Stöcke aus Carbon wiegen nur wenig.

Wer pilgern will, der sollte nichts überstürzen. Körperliche Fitness ist die Grundvoraussetzung. Ein ärztlicher Check kann nicht schaden. Die Route muss gut geplant werden, vor allem wenn die Infrastruktur dürftig ist. Das Training zu Hause sollte sich mindestens über mehrere Wochen ziehen und beispielsweise auch mit Gepäck absolviert werden. Zur Beschwerung und damit Herstellung von Realbedingungen können schon ein paar Wasserflaschen im Rucksack helfen. Letztlich braucht aber auch die Optimierung der Ausrüstung seine Zeit. Auf vieles, was zunächst unabdingbar erscheint, kann in Wirklichkeit gut verzichtet werden.


10 Wandertipps für Pilger

      1. Einen Weg finden: Die Auswahl ist groß und es muss nicht immer der überlaufene Jakobsweg sein. Wer ruhe sucht, findet bessere Wege. Es gibt Pilgerrouten durch die Berge und entlang der Küste. Neben der Landschaft sollte aber auch auf den Schwierigkeitsgrad geachtet werden. Vor allem die Höhenmeter sind hier ausschlaggebend.
      2. Einen Pilgerpass beantragen: Für richtige Pilgerwege gibt es Pilgerpässe die mehr sind als Trophäen. Damit kann man sich bei Pilgerherbergen als Pilger ausweisen und bekommt eins der begehrten kostenlosen oder günstigen Betten. Und so ein Pilgerpass ist ein Souvenir, auf das man am Ende wirklich stolz sein kann.
      3. Den richtigen Zeitpunkt wählen: Das Klima am Pilgerort spielt eine große Rolle. Spanien im Hochsommer ist nun mal heiß. Da macht das Pilgern nur halb so viel Spaß. Besser ist das Frühjahr oder der Herbst. In Berglagen kann aber auch schnell der Wintereinbruch Realität werden. Der richtige Zeitpunkt ist also abhängig vom Klima und von der Beliebtheit des Pilgerwegs.
      4. Langsames Training: Viele Pilger probieren vor der Reise zu Hause aus, wie es ist, beispielsweise 25 Kilometer am Stück zu laufen. Danach können sich die meisten drei Tage nicht mehr bewegen und würden am liebsten alles hinwerfen. Damit es nicht zu dieser Demotivation kommt, lieber langsam anfangen und über Wochen steigern.
      5. Frühzeitig packen: Wenn möglich sollte man auch schon ein paar Wochen vorher beginnen die Sachen zusammenzutragen, die man mitnehmen will. So kann man das Gepäck ins Training einbeziehen und vor der Reise sukzessive reduzieren. Denn die meisten wollen viel zu viel mitnehmen.
      6. Mental vorbereiten: Pilgern bedarf nicht nur körperlicher, sondern auch mentaler Ausdauer. So ein Pilgertrip ist kein Wellnessurlaub. Schmerzende Beine, Katzenwäsche und laute Herbergen gehören zum Tagesprogramm. Darauf sollte man sich seelisch vorbereiten. Außerdem hilft es leichter den Alltag hinter sich zu lassen und sich aufs Pilgern zu konzentrieren.
      7. Eigenes Tempo gehen: Für manche Pilger scheint das Pilgern ein Marathon zu sein. Aber es geht nicht darum, der erste in der Herberge oder am Pilgerziel zu sein. Es geht darum den Weg zu genießen und im Einklang mit sich selbst zu sein. Niemand sollte sich von Überholungsmanövern aus der Ruhe bringen lassen. Lieber eine Stunde früher losgehen, den Weg aber dafür genießen!
      8. Offen sein: Wer pilgert, begegnet Menschen. Und diese Erfahrungen sind das Wertvollste des Weges. Man trifft ganz unterschiedliche Charaktere, mit denen man seine Erfahrungen und oft noch mehr teilt. Man vertraut plötzlich Wildfremden und man erzählt ihnen Dinge, die man selbst den engsten Verwundeten nicht erzählen würde. Genau für diese zwischenmenschlichen Begegnungen sollte man offen sein. Sie machen das Pilgern so wertvoll.
      9. Zeit nehmen: Nichts ist schlimmer als unter Zeitdruck hetzen zu müssen, statt das Pilgern zu genießen. Man sollte sich deshalb lieber ein paar Tage mehr Urlaub oder ein paar Kilometer weniger vornehmen. Schön ist es auch, wenn man sich am Pilgerziel ein paar Tage erholen und die Atmosphäre genießen kann.
      10. Pilgerstab nutzen: Ein Pilgerstab ist keine Folklore, sondern eine echte Hilfe, um lange Strecken und unebenes Terrain zu meistern. Es muss aber nicht der Holzstock sein, es dürfen auch moderne Wanderstöcke genutzt werden. Außerdem verhindert man durch ihre Nutzung, dass die Hände und Arme dick werden, weil das Blut in den über lange Zeit herabhängenden Armen nur nach unten läuft.

 

Dieser Artikel ist Bestandteil des Wanderratgebers von Kaizen Sports.

In mehreren informativen Teilen erfahren Sie alles Wichtige und Wissenswerte rund ums Wandern. Lesen Sie jetzt weiter und werden Sie zum Wanderprofi!

Alle Teile im Überblick:

  1. Die richtigen Wanderschuhe
  2. Wanderschuhe schnüren, einlaufen und pflegen
  3. Warum Wandersocken den Unterschied machen
  4. Blasen beim Wandern vermeiden
  5. Wanderrucksack auswählen, packen und einstellen
  6. Wanderstöcke – nutzlos oder sinnvoll?
  7. Gute Wanderkleidung erhöhte den Komfort
  8. Wanderproviant – genussvolle Stärkung
  9. Gesund wandern
  10. Die besten Wander-Apps
  11. Wandertipps für Pilger
  12. Wandern im Winter und im Schnee

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